
Angst und Stimmungstiefs
Warum gehe ich Gespräche immer wieder im Kopf durch?
Der Witz beim Feierabendbier, die Nachricht, die zu schnell raus war. Wer ein peinliches T-Shirt trug, dachte, der halbe Raum habe es bemerkt. Es waren viel weniger.
Tool, 5 Minuten
Grübelzeit heißt: Deine Sorgen bekommen jeden Tag eine feste Viertelstunde. Taucht vorher eine auf, notierst du sie kurz und lässt sie bis dahin liegen. In kleinen Studien sorgten sich Menschen, die das zwei Wochen lang ausprobierten, danach weniger. Schreib unten deine erste Sorge auf.

Fang mit der Sorge an, die gerade am lautesten ist.
Folge dem Punkt auf der Linie. Atme ein, während er steigt, und aus, während er sinkt. Das Ganze läuft ohne Ton.
Drück auf „Minute starten“, wenn du so weit bist.
Deine Sorgen bekommen jeden Tag eine feste Viertelstunde, und nur die. Taucht zu einer anderen Zeit eine Sorge auf, schreibst du sie in ein paar Worten auf und lässt sie bis dahin liegen. Ist es so weit, setzt du dich mit deiner Liste hin und denkst jede Sorge in Ruhe durch. Manche sind bis dahin kleiner geworden, um ein paar andere kannst du dich gleich kümmern. Der Rest wartet bis morgen.
Die Idee stammt aus einer Studie von 1983 mit Studierenden in den USA, die sich viele Sorgen machten. Wer seine Sorgen für eine feste halbe Stunde am Tag aufhob, machte sich danach im Alltag weniger Sorgen. Das sagten die Studierenden jedenfalls selbst.1
Ein bisschen, zumindest in kleinen Studien. In einer davon probierten es 53 Menschen, die sich viele Sorgen machten, zwei Wochen lang aus: jeden Tag eine halbe Stunde, immer am selben Ort. Eine Vergleichsgruppe bekam nur den Rat, ihre Sorgen nicht wegzuschieben. Die Gruppe mit der festen Zeit machte sich danach weniger Sorgen, war weniger angespannt und schlief etwas besser.2 Bei gedrückter Stimmung half die feste Zeit aber nicht mehr als der Rat der anderen Gruppe.
Die meisten Studien zur Grübelzeit sind klein und kurz, und die Teilnehmenden wussten, was sie da ausprobierten. In einem größeren Versuch aus den Niederlanden bekamen 136 Beschäftigte mit viel Stress eine Handy-App. Die App übte mit ihnen, Sorgen aufzuschieben, dazu kamen Achtsamkeitsübungen. Nach vier Wochen gab es keinen messbaren Unterschied, weder beim Stress noch beim Herzrhythmus.3 Probier es also ein paar Wochen aus und schau, was passiert. Mehr versprechen die Studien nicht.
Grübeln breitet sich aus. Grübelst du in der S-Bahn, am Schreibtisch und abends im Bett, holt bald jeder dieser Orte die Sorge von allein zurück. Bekommt sie nur noch eine Zeit und einen Stuhl, bleiben weniger Orte übrig, die sie auslösen können.2
Dazu kommt noch etwas. Viele Sorgen drehen sich um Dinge, die nie passieren. Lucas LaFreniere und Michelle Newman baten 29 Menschen, die sich ständig große Sorgen machten, zehn Tage lang alle Sorgen aufzuschreiben und danach selbst nachzusehen, was daraus geworden war. Etwa 9 von 10 dieser Sorgen waren nicht eingetreten.4 Wartest du ein paar Stunden, merkst du das oft selbst.
Die letzte Minute der Grübelzeit gehört dem langsamen Atmen, vor allem damit die Liste ein klares Ende hat. Wer langsam atmet, also weniger als etwa zehn Atemzüge pro Minute macht, fühlt sich in Laborversuchen meist ruhiger und entspannter.5 Ein Versuch über einen Monat verglich das mit Meditation: Fünf Minuten am Tag mit langem Ausatmen hoben die Stimmung stärker als dieselbe Zeit mit Achtsamkeitsmeditation.6
Die 4-7-8-Atmung ist eine bekannte Variante, bei der du in der Mitte lange die Luft anhältst. Die Studien hier haben langsames Atmen allgemein untersucht, nicht genau diese Zählweise. Nimm also, was dir leichter fällt. Wird dir beim Luftanhalten schwindelig, bleib bei „4 ein, 6 aus“.
Veröffentlicht am 23. Oktober 2026.
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