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Nicht mehr verliebt in den Partner: Kommt das Gefühl zurück?

Ihr mögt euch noch, ihr wohnt zusammen und habt viele gemeinsame Jahre hinter euch, und trotzdem ist der Funke weg. Was das meistens heißt und was euch oft wieder näherbringt.

Veröffentlicht am 27. Oktober 2026, 11 Min. Lesezeit.

Kurz gesagt

Oft ja. Die erste, wilde Verliebtheit lässt bei fast jedem Paar nach. Starke romantische Liebe nach zehn oder mehr Ehejahren ist aber alles andere als selten. Neue, aufregende Dinge zu zweit helfen, und kleine Momente im Alltag offenbar auch. Anders ist es, wenn die Leere eigentlich von Stress, einem Stimmungstief oder einer alten Kränkung kommt.

Eine Hand hält einen Schlüsselbund an einer offenen weißen Tür

Du magst deinen Partner noch, oder deine Partnerin. Auf einer Familienfeier würdest du dich immer noch am liebsten neben ihn setzen. Du weißt, wie er seinen Kaffee trinkt, und wenn ihm etwas passieren würde, wärst du am Boden zerstört. Aber wenn er zur Tür hereinkommt, regt sich nichts. Der Kuss zum Abschied ist zur Gewohnheit geworden, so wie der kurze Griff in die Jackentasche nach dem Schlüssel. Irgendwann hast du „nicht mehr verliebt in meinen Mann“ in die Suchleiste getippt, oder „in meine Frau“, „in meinen Freund“. Und dich gleich danach schuldig gefühlt.

Die erste Verliebtheit, in der du an nichts anderes denken kannst, geht bei fast allen vorbei. Für sich allein sagt das wenig über eure Zukunft. Die tiefere Form romantischer Liebe, mit Verlangen und echtem Interesse aneinander, kann weit über die ersten Jahre hinaus halten. In Versuchen ist es Paaren sogar gelungen, sie wieder zu stärken. Forscher befragten eine Zufallsauswahl verheirateter Menschen in den USA. Von denen, die seit mehr als zehn Jahren verheiratet waren, sagten 4 von 10, sie seien sehr stark verliebt.1 In einer zweiten Gruppe aus New York waren es etwa 3 von 10.

Diese lange verheirateten Menschen hatten ein paar Dinge gemeinsam. Sie dachten gut von ihrem Partner und an ihn, wenn sie nicht zusammen waren. Sie waren zärtlich miteinander und hatten noch Sex. Sie unternahmen zusammen neue Dinge, die sie ein bisschen forderten, und sie waren mit ihrem Leben insgesamt ziemlich zufrieden.1 Den letzten Punkt übersiehst du leicht, wenn es ausgerechnet dein Partner ist, für den du nichts mehr fühlst.

Was verschwindet und was bleiben kann

Frische Verliebtheit hat etwas Unruhiges, fast Zwanghaftes: ständig aufs Handy schauen, ob eine Nachricht da ist, im Kopf immer wieder durchgehen, was der andere gesagt hat, ein Stich im Bauch, wenn er sich verspätet. Zwei Forscher aus den USA haben die Studien dazu ausgewertet. Sie beschreiben diese Unruhe als typisch für den Anfang. In langen Ehen fanden sie romantische Liebe ohne diese Unruhe: starke Gefühle, ganz ineinander aufgehen, einander begehren.2

Als sie 25 Studien zusammen auswerteten, hing diese ruhigere romantische Liebe mit glücklicheren Beziehungen zusammen, bei kurzen wie bei langen. Mit der Unruhe war es anders. Am Anfang fühlten sich Menschen mit viel Unruhe eher glücklicher, in langen Beziehungen dagegen eher unglücklicher.2 Die Schmetterlinge im Bauch zu vermissen, ist also nichts Ungewöhnliches. Sie zurückzuholen, ist eigentlich gar nicht das Ziel.

Es hilft auch zu wissen, wo du auf der üblichen Kurve stehst. Ein Forschungsteam hat 165 Datensätze mit zusammen mehr als 165.000 Menschen ausgewertet. Im Schnitt sank die Zufriedenheit mit der Beziehung in den ersten zehn Jahren. Um das zehnte Jahr herum war sie am niedrigsten, dann stieg sie bis etwa zum zwanzigsten Jahr und sank danach wieder etwas. Nach dem Alter betrachtet lag der Tiefpunkt bei etwa 40. Auch ob ein Paar Kinder hatte, spielte eine Rolle.3 Seid ihr seit zehn Jahren zusammen und bist du um die 40, dann steckt ihr ziemlich genau im Tal. Bei beiden Kurven, nach Beziehungsjahren und nach Alter, ging es im Schnitt danach wieder nach oben.

Hochzeitsgäste sitzen nachts an Tischen unter hohen Bäumen mit Lichterketten, von der dunklen Wiese aus gesehen
Die Hochzeit ist nur ein Punkt auf einer langen Kurve, und bei den meisten Paaren folgt später ein Tief.

Was davon passt zu dir?

Nichts ist schiefgelaufen, die Luft ist einfach raus

Langeweile ist einer der häufigsten Gründe und einer, an dem ihr am leichtesten etwas ändern könnt. Ein Forschungsteam in den USA legte einer Zeitung einen Fragebogen bei und befragte Paare zusätzlich an der Haustür. Paare, die öfter gemeinsam etwas Aufregendes unternahmen, waren glücklicher miteinander. Das lag zu einem großen Teil an der Langeweile: Paare, die seltener zusammen etwas Aufregendes erlebten, langweilten sich mehr in ihrer Beziehung und waren unzufriedener.4

Danach holte dasselbe Team Paare ins Labor und gab ihnen eine kurze gemeinsame Aufgabe. Paare mit einer neuen, leicht aufregenden Aufgabe waren danach zufriedener mit ihrer Beziehung als Paare mit einer langweiligen. Dabei dauerte die Aufgabe nur sieben Minuten.4 Auch Beobachter, die sich Videos der Paare im Gespräch ansahen, erkannten den Unterschied.

Eine spätere Studie hat das zu Hause ausprobiert. Etwas mehr als 100 Paare wurden per Los auf zwei Gruppen verteilt. Die eine Gruppe bekam Ideen für aufregende Unternehmungen zu zweit und sollte vier Wochen lang 90 Minuten pro Woche dafür einplanen. Die andere Gruppe wartete. Die erste Gruppe war danach begeisterter voneinander und zufriedener. Vier Monate später lag sie immer noch über dem Stand vom Anfang.5

„Aufregend“ heißt hier: neu für euch beide, ein bisschen herausfordernd und etwas, das ihr Seite an Seite macht. Der Italiener, zu dem ihr seit Jahren geht, zählt nicht. Ein Kochkurs, eine Wanderung auf einer Strecke, die ihr nicht kennt, ein Tanzkurs, bei dem ihr beide über die eigenen Füße stolpert, oder ein Wochenende in einer Stadt, in der noch keiner von euch war: Das alles zählt.

Auch kleine Momente im Alltag machen viel aus. Forscher filmten 49 frisch verheiratete Paare zweimal: zehn Minuten beim Abendessen und 15 Minuten im Gespräch über ein Thema, bei dem sie sich uneinig waren. Paare, die beim Essen verspielter waren und mehr Begeisterung füreinander zeigten, brachten mehr Humor und Zuneigung in das schwierige Gespräch mit.6 Die Studie war klein und kann keine Ursache beweisen, das sagen die Forscher selbst. Sie vermuten, dass kleine Momente im Alltag den Boden für die größeren Gespräche bereiten: wie ihr euch begrüßt oder wie du auf eine beiläufige Bemerkung antwortest.

Alles lässt dich kalt, nicht nur dein Partner

Frag dich einmal ganz schlicht: Lässt dich nur dein Partner kalt, oder fast alles? Deine Hobbys, deine Freunde, Musik, die du früher geliebt hast, Essen, Sex überhaupt?

Wenn dich fast nichts mehr interessiert, ist das eines der wichtigsten Anzeichen einer Depression. Der britische Gesundheitsdienst nennt unter anderem diese Symptome: Dir fehlt der Antrieb, nichts macht dir mehr Freude, du hast wenig Lust auf Sex, und andere gehen dir schnell auf die Nerven.7 Wenn deine Stimmung absackt, merkst du es zuerst bei dem Menschen, der dir am nächsten ist, denn ihn siehst du jeden Tag. Das fühlt sich dann an wie „Ich liebe ihn nicht mehr“. Dabei heißt es eher: „Ich kann gerade kaum noch etwas fühlen.“

Stress von außen kann etwas Ähnliches bewirken. Zwei Forscher in den USA begleiteten Ehepaare durch ihre ersten vier Ehejahre. Stress außerhalb der Beziehung, zum Beispiel im Job oder mit Geld, hing damit zusammen, dass die Ehe schlechter verlief. Zum Teil lag das daran, dass die Menschen unter Stress die alltäglichen Seiten ihrer Beziehung in einem schlechteren Licht sahen.8

Ein grober Test: eine Woche Abstand vom Alltag. Kommt das Gefühl für deinen Partner im Urlaub am Gardasee ein bisschen zurück, oder wenn ein anstrengendes Projekt im Job endlich abgeschlossen ist? Dann ist das ein Hinweis darauf, dass zumindest ein Teil davon am Stress liegt. Das solltest du wissen, bevor du etwas über die Beziehung selbst entscheidest.

Da ist etwas, über das du nicht hinwegkommst

Manchmal ist die Liebe nicht einfach verblasst. Es ist etwas passiert: ein gebrochenes Versprechen, eine Bemerkung, die nie zurückgenommen wurde, Jahre, in denen du im Haushalt mehr übernommen hast, als fair gewesen wäre, das eine Mal, als du den anderen gebraucht hast und er nicht da war. Groll zeigt sich selten offen. Meist merkst du ihn an einer gewissen Kühle, daran, dass du nicht angefasst werden willst, an einem tonlosen „Passt schon“.

In einer Studie aus den USA erzählten acht Menschen in Interviews, wie ihre Liebe zu ihrem Mann oder ihrer Frau verschwunden war. Sie beschrieben ein langsames Abrutschen, keinen plötzlichen Absturz. Dabei gingen Vertrauen, Nähe und das Gefühl verloren, geliebt zu werden. Jeder von ihnen konnte den Moment benennen, in dem klar war, dass es vorbei war.9 Acht Menschen können nicht zeigen, wie häufig das ist. Ihre Geschichten zeigen aber, wie es laufen kann: Die Liebe verschwindet nicht über Nacht, sie nutzt sich ab, während Vertrauen und Nähe schwinden.

Wenn du dich hier wiederfindest, werden neue Unternehmungen und schöne Abende zu zweit das allein wahrscheinlich nicht lösen. Du musst die Kränkung aussprechen: einmal, schlicht und klar, ohne die Liste von allem, was der andere sonst je falsch gemacht hat.

Du glaubst, es ist endgültig vorbei

Manche Liebe geht zu Ende, und keine Studie kann dir sagen, ob deine dazugehört. Bekannt ist aber: Ein Tief um das zehnte Jahr herum ist häufig, und im Schnitt steigt die Zufriedenheit danach wieder.3 Starker Stress von außen kann deinen Blick auf die Ehe ebenfalls trüben.8 Und Menschen, die nach mehr als zehn Ehejahren noch intensiv verliebt sind, haben oft bestimmte Gewohnheiten gemeinsam.1

Hast du es ehrlich versucht, den Stress angepackt, das Schwierige ausgesprochen, und fühlst du trotzdem nichts? Dann sagt dir auch das etwas. Bleiben kann genauso eine gut überlegte Entscheidung sein wie Gehen, und keins von beiden ist ein Zeichen von Schwäche.

Die Leidenschaft geht, die Freundschaft wächst? Nicht immer

Lange gingen Forscher davon aus, dass Leidenschaft recht schnell nachlässt, während die warme, freundschaftliche Liebe gleich bleibt oder sogar wächst. Ein Team prüfte das an zwei Gruppen: an 53 frisch verheirateten Paaren, die kurz nach der Hochzeit und ein Jahr später befragt wurden, und an 240 Frauen ab 50, die schon lange verheiratet waren, meist rund 33 Jahre.

In beiden Gruppen nutzte sich die Liebe mit der Zeit ab. Zur Überraschung der Forscher traf es die freundschaftliche Seite etwa genauso stark wie die leidenschaftliche.10 Auch die vertraute Seite einer langen Beziehung braucht also Pflege.

Wie du es ansprechen kannst

„Ich glaube, ich bin nicht mehr in dich verliebt“ gehört zu den schwersten Sätzen, die man hören kann. Meist beendet er das Gespräch, statt es zu eröffnen. Du musst die ganze Antwort nicht schon kennen, bevor du etwas sagst.

  • Such dir einen ruhigen Moment ohne Zeitdruck, nicht direkt nach einem Streit.
  • Fang mit dem an, was du vermisst. „Ich vermisse, wie wir früher zusammen gelacht haben“ gibt dem anderen etwas, zu dem er Ja sagen kann.
  • Sag, was du bei dir bemerkst, nicht, was der andere falsch macht. „Ich fühle mich seit Monaten wie abgestumpft und weiß selbst nicht genau, warum“ ist ehrlich, ohne ein Vorwurf zu sein.
  • Gibt es eine alte Kränkung, sprich sie einmal an, und zwar nur diese eine Sache.
  • Frag, wie es für den anderen war. Vielleicht hat er das Auseinanderdriften auch gespürt und nur darauf gewartet, dass es jemand anspricht.
  • Schlag am Ende eine konkrete Sache vor, die ihr in den nächsten zwei Wochen zusammen ausprobiert, etwas, das ihr beide noch nie gemacht habt.

Was du im nächsten Monat ausprobieren kannst

  • Plan vier Wochen lang jede Woche etwas Neues ein, etwa anderthalb Stunden. Ihr sucht abwechselnd aus.
  • Reagier auf die kleinen Dinge. Wenn dein Partner dir etwas auf dem Handy zeigt oder von seinem Tag erzählt, schau auf und frag nach.
  • Fass den anderen öfter an, ohne dass mehr daraus werden muss: eine Hand auf dem Rücken, auf dem Sofa ein Stück näher rücken.
  • Prüf, wie es dir insgesamt geht, nicht nur zu Hause. Fühlt sich fast alles leer und fade an, kümmere dich zuerst darum.
  • Achte darauf, wann du an deinen Partner denkst, wenn ihr nicht zusammen seid, und was du dann denkst. Solche Gedanken gehörten zu dem, was die Menschen in den US-Umfragen gemeinsam hatten, die nach vielen Jahren noch verliebt waren.

Quellen (10)

  1. O’Leary, K. D., Acevedo, B. P., Aron, A., Huddy, L., und Mashek, D. (2012). Is long-term love more than a rare phenomenon? If so, what are its correlates? Social Psychological and Personality Science, 3(2), 241-249. Zur Studie Zurück zum Text
  2. Acevedo, B. P., und Aron, A. (2009). Does a long-term relationship kill romantic love? Review of General Psychology, 13(1), 59-65. Zur Studie Zurück zum Text
  3. Bühler, J. L., Krauss, S., und Orth, U. (2021). Development of relationship satisfaction across the life span: a systematic review and meta-analysis. Psychological Bulletin, 147(10), 1012-1053. Zur Studie Zurück zum Text
  4. Aron, A., Norman, C. C., Aron, E. N., McKenna, C., und Heyman, R. E. (2000). Couples’ shared participation in novel and arousing activities and experienced relationship quality. Journal of Personality and Social Psychology, 78(2), 273-284. Zur Studie Zurück zum Text
  5. Coulter, K., und Malouff, J. M. (2013). Effects of an intervention designed to enhance romantic relationship excitement: a randomized-control trial. Couple and Family Psychology: Research and Practice, 2(1), 34-44. Zur Studie Zurück zum Text
  6. Driver, J. L., und Gottman, J. M. (2004). Daily marital interactions and positive affect during marital conflict among newlywed couples. Family Process, 43(3), 301-314. Zur Studie Zurück zum Text
  7. NHS. Symptoms: depression in adults. Website des NHS. www.nhs.uk Zurück zum Text
  8. Neff, L. A., und Karney, B. R. (2004). How does context affect intimate relationships? Linking external stress and cognitive processes within marriage. Personality and Social Psychology Bulletin, 30(2), 134-148. Zur Studie Zurück zum Text
  9. Sailor, J. L. (2013). A phenomenological study of falling out of romantic love. The Qualitative Report, 18(19), 1-22. Zur Studie Zurück zum Text
  10. Hatfield, E., Pillemer, J. T., O’Brien, M. U., und Le, Y. L. (2008). The endurance of love: passionate and companionate love in newlywed and long-term marriages. Interpersona, 2(1), 35-64. Zur Studie Zurück zum Text

Über diese Quellen. Die Zahlen aus Quelle 1, 2, 3, 4, 5, 6, 8, 9 und 10 stammen aus den veröffentlichten Zusammenfassungen; die meisten vollständigen Artikel sind kostenpflichtig. Die Anzeichen einer Depression stammen von der Website des britischen Gesundheitsdienstes (Quelle 7).

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