Ist meine Beziehung noch zu retten?
Du zählst inzwischen die schlechten Wochen. Wie sich eine Krise von einem Ende unterscheidet und was du versuchen kannst, bevor du etwas entscheidest.
Kurz gesagt
Oft ja, wenn ihr beide es noch wollt. Paare, die es schaffen, glauben meist noch, dass der andere zur Beziehung steht, spüren noch etwas Wärme und Dankbarkeit und streiten, ohne sich übereinander lustig zu machen. Geht es seit Jahren langsam bergab und ist einer von euch innerlich schon weg, spricht das eher dagegen. Das gilt auch, wenn du Angst vor deinem Partner oder deiner Partnerin hast.

Die Frage kommt seit Wochen immer wieder, meistens nach ein paar schlechten Tagen. Vielleicht ist gar nichts Großes passiert. Du merkst nur, dass du erleichtert bist, wenn dein Partner oder deine Partnerin Überstunden macht. Auf WhatsApp schreibt ihr euch fast nur noch, wer einkauft und wer das Kind von der Kita abholt. Von deinem Tag erzählst du schon länger nichts mehr. Oder es ist doch etwas Großes passiert, und jetzt fragst du dich, ob ihr darüber hinwegkommt.
Oft lässt sich eine Beziehung retten, solange ihr beide es wollt. Forschende begleiten seit Jahrzehnten Paare, um zu sehen, welche zusammenbleiben, und ein paar Zeichen tauchen dabei immer wieder auf. Keines davon ist eine Garantie, und die Entscheidung nimmt dir keines ab. Sie können dir aber zeigen, ob ihr in einer Krise steckt oder in einer Beziehung, die gerade zu Ende geht.
Was Paare gemeinsam haben, die es schaffen
Eines der größten Forschungsprojekte dazu legte 43 Langzeitstudien von 29 Forschungsteams nebeneinander, mit zusammen 11.196 Paaren. Die Forschenden ließen einen Computer eine lange Liste durchgehen: alles, was Menschen über sich und ihre Beziehung gesagt hatten. Gesucht war, was am besten vorhersagt, wie glücklich jemand ist und wie fest er zur Beziehung steht. Fünf Dinge lagen vorn: wie fest dein Partner deiner Meinung nach zur Beziehung steht, wie sehr du ihn schätzt, wie zufrieden du mit eurem Sexleben bist, wie glücklich dein Partner deiner Meinung nach ist und wie viel ihr streitet.1
Sobald klar war, wie jemand selbst die Beziehung sah, half nichts anderes mehr bei der Vorhersage: nicht die Persönlichkeit, nicht der Bindungsstil, nicht einmal das, was der Partner sagte. Und fast nichts konnte vorhersagen, wessen Beziehung im Lauf der Studien besser oder schlechter wurde.1 Dein eigener Blick auf eure Beziehung zählt also viel. Wohin sie sich entwickelt, kann dir aber kein Test sagen.
Eine zweite große Auswertung fasste 137 Studien mit unverheirateten Paaren zusammen, insgesamt fast 38.000 Menschen. Die stärksten Zeichen, dass ein Paar zusammenbleibt, waren diese: wie fest beide zur Beziehung stehen, Liebe, das Gefühl, dass der Partner ein Teil von dir geworden ist, und das Gefühl, einander zu brauchen. Einfach nur zufrieden zu sein, zählte weniger.2 Wie fest ihr beide zueinander steht, sagt also vermutlich mehr darüber, wohin es geht, als die Frage, wie glücklich du dich gerade fühlst.
Das bekannteste Warnzeichen zeigt in die andere Richtung. Der US-Psychologe John Gottman erforscht seit Jahrzehnten Paare und hat das Gottman Institute gegründet. Dort nennt man Verachtung „den wichtigsten Vorboten einer Scheidung“. Gemeint sind Spott, Sarkasmus, Beschimpfungen, Augenrollen und ein Umgang mit dem Partner, als stünde er unter dir.3 Das behauptet das Institut selbst, und seine Seite zeigt nicht, auf welchen Zahlen das beruht.
Gottmans veröffentlichte Forschung weist aber in dieselbe Richtung. In einer Studie, die Paare 14 Jahre lang begleitete, ließen sich Paare, die beim Streiten sehr feindselig waren, eher in den ersten Jahren scheiden. Bei den Paaren, die sich erst später scheiden ließen, war schon zu Beginn wenig Wärme zu spüren. Das galt für den Streit genauso wie für ganz normale Gespräche darüber, wie der Tag gewesen war.4 Ist bei euch vor allem das Streiten das Problem? Wie ihr streiten könnt, ohne so viel kaputtzumachen, liest du im Artikel Immer wieder der gleiche Streit.
Woran merkt man, dass eine Beziehung vorbei ist?
Eine Krise hat meistens einen Grund, den du benennen kannst: ein Baby, ein verlorener Job, eine Krankheit, ein Umzug, ein Elternteil, der Pflege braucht. Die schlechte Stimmung folgt der Belastung, und in den besseren Wochen mögt ihr euch noch.
Ein Ende sieht meist anders aus. Eine Forscherin aus Deutschland und ein Forscher aus der Schweiz nutzten große Langzeitbefragungen aus Deutschland, Großbritannien, den Niederlanden und Australien, die Menschen 12 bis 21 Jahre lang begleitet hatten. Darin fanden sie 11.295 Menschen, deren Beziehung endete, und verglichen sie mit ähnlichen Menschen, deren Beziehung hielt.5
Bei denen, die sich trennten, sank die Zufriedenheit mit der Beziehung über Jahre langsam ab. Dann kam ein Wendepunkt, und danach ging es steil bergab, etwa 7 bis 28 Monate lang bis zur Trennung.6 Bei denen, die zusammenblieben, gab es diesen steilen Absturz nie.5
Die beiden Partner erreichten den Wendepunkt auch nicht gleichzeitig. Wer Schluss machte, erreichte ihn meist früher. Wer verlassen wurde, kam später dort an und stürzte dann schneller ab.6 Fragst du dich gerade, ob es vorbei ist, kann dein Partner also schon weiter sein als du, oder noch nicht so weit.
Die Hauptautorin arbeitet auch als Paartherapeutin. Sie sagt, dass sich viele Paare erst Hilfe holen, wenn der steile Absturz schon begonnen hat, und dass es besser wirken könnte, schon in der langsamen Phase etwas zu tun.5

Was passt am ehesten zu euch?
- Ihr kommt gut miteinander klar, aber die Wärme ist weg
- Fast jedes Gespräch endet im Streit
- Einer von euch steht schon mit einem Bein draußen
- Du hast Angst vor deinem Partner oder deiner Partnerin
Ihr kommt gut miteinander klar, aber die Wärme ist weg
Den Alltag bekommt ihr gut zusammen hin, ihr seid höflich zueinander, und viel mehr ist zwischen euch nicht übrig. Wer die Kleine zum Schwimmkurs fährt und wer am Sonntag den Kuchen für die Schwiegermutter mitbringt, klärt ihr ohne Streit. Nur um euch zwei geht es nie mehr. In Gottmans Studie über 14 Jahre hing genau dieser Mangel an Wärme mit den späteren Scheidungen zusammen, nicht das Geschrei.4
Wärme lässt sich aber üben. Fang klein an und mach es bewusst. Frag, wie der Tag war, und hör bei der Antwort wirklich zu. Lach über die Witze, leg im Vorbeigehen kurz eine Hand auf die Schulter. In der großen Auswertung der 43 Studien war Dankbarkeit für den Partner eines der stärksten Zeichen für eine glückliche Beziehung.1 Was dabei Ursache ist und was Folge, kann diese Studie nicht zeigen. Sieh es also als Richtung, die du ausprobieren kannst, und nicht als Versprechen.
Fast jedes Gespräch endet im Streit
Viele Paare streiten und bleiben trotzdem jahrzehntelang zusammen. Es kommt darauf an, wie sie streiten. Kannst du dich noch über etwas beschweren, das dein Partner getan hat, ohne ihn als Menschen anzugreifen? Kann einer von euch mitten im Streit noch einen Witz machen oder sich entschuldigen, und der andere nimmt das an? Dann habt ihr viel, worauf ihr aufbauen könnt.
Besteht euer Streit nur noch aus Augenrollen, höhnischem Grinsen und „Du bist echt das Letzte“, dann ist das die Verachtung, vor der das Gottman Institute warnt.3 Auch das kann sich ändern, aber nur, wenn die Person, die es tut, es selbst merkt und damit aufhören will.
Einer von euch steht schon mit einem Bein draußen
Dass einer noch will und der andere nicht mehr, ist häufig, sogar mitten in einer Scheidung. Eine Umfrage in den USA fragte 2.484 Eltern, die gerade in der Scheidung steckten, ob ihre Ehe mit viel Einsatz noch zu retten wäre. Etwa jeder Vierte hielt das für möglich. Dass beide Partner es so sahen, kam nur bei etwa jedem neunten Paar vor. Menschen, deren Partner die Scheidung angestoßen hatte, wünschten sich viel öfter Hilfe, um wieder zusammenzufinden.7
Wenn du die Beziehung retten willst und dein Partner innerlich schon auf Abstand geht, bist du also keine Ausnahme. Allein schaffst du es aber nicht. Damit eine Beziehung wieder gut wird, müssen beide es wollen. Hier hilft ein offenes Gespräch. Frag deinen Partner direkt, ob er es noch versuchen will, und hör dir die Antwort an, auch wenn es nicht die ist, auf die du gehofft hast.
Du hast Angst vor deinem Partner oder deiner Partnerin
Hast du Angst davor, wie die andere Person reagiert? Kontrolliert sie, wo du warst, hält sie dich von Freunden und Familie fern, bestimmt sie über das Geld oder droht sie dir? Dann ist das keine Krise. In England und Wales kann so ein Muster sogar strafbar sein. Das Gesetz nennt es kontrollierendes oder nötigendes Verhalten, und die offizielle Richtlinie der britischen Regierung nennt genau diese Beispiele.8
Die Tipps im Rest dieses Textes sind für zwei Menschen gedacht, die sich beide sicher fühlen. Gegen Angst hilft keine bessere Kommunikation. Und wenn dir eine Beziehung Angst macht, schuldest du ihr keinen weiteren Versuch.
Fragen, die du dir stellen kannst
- Wenn sich mein Partner kein bisschen ändert, will ich das dann noch?
- Glaube ich, dass er oder sie es noch will? Woran mache ich das fest?
- Wann habe ich mich zuletzt gefreut, als er oder sie nach Hause kam?
- Behandeln wir uns im Streit noch mit Respekt, oder hat sich Spott eingeschlichen?
- Geht es schon seit Jahren bergab oder erst, seit etwas passiert ist, das wir benennen können?
- Suche ich einen Weg, es besser zu machen, oder die Erlaubnis zu gehen?
Schreib deine Antworten auf, statt sie nur im Kopf hin und her zu wälzen. Schwarz auf weiß siehst du oft, in welche Richtung du schon tendierst.
Was du versuchen kannst, bevor du dich entscheidest
- Sag, wie ernst es ist. „Wir müssen reden“ kann man ein Dutzend Mal hören, ohne zu begreifen, was auf dem Spiel steht. Sag deinem Partner klar, dass du nicht sicher bist, ob eure Beziehung hält, wenn sich nichts ändert.
- Macht aus, was besser werden soll. Sucht euch zwei oder drei konkrete Dinge aus, etwa einen Abend pro Woche zu zweit oder keine Witze mehr auf Kosten des anderen. Und legt fest, wann ihr wieder gemeinsam draufschaut, zum Beispiel in drei Monaten.
- Fangt wieder bei den kleinen Dingen an. Ein Danke, echtes Interesse, eine Hand auf der Schulter. In Gottmans Langzeitstudie hing ein Mangel an dieser Art von Wärme mit den späteren Scheidungen zusammen.4
- Versucht es mit einer Paartherapie, solange noch etwas da ist, woran ihr arbeiten könnt. Die Forschenden, die den langsamen Abstieg untersucht haben, sagen, dass Hilfe vor dem steilen Absturz besser wirken könnte.5
Schon zu spät für eine Paartherapie? Bei sehr unglücklichen Paaren oft nicht
Man denkt schnell, ein sehr unglückliches Paar sei nicht mehr zu retten. Eine Studie in Los Angeles und Seattle nahm 134 Ehepaare auf, die schwer und dauerhaft unglücklich waren. Fast 100 Paare wurden abgewiesen, weil sie nicht unglücklich genug waren, um mitmachen zu dürfen.9 Fünf Jahre nach der Therapie ging es etwa der Hälfte der Paare deutlich besser als am Anfang, und etwa ein Viertel hatte sich getrennt oder scheiden lassen.10
Etwa ein Drittel war bis dahin, in den Worten des Studienleiters, zu „normalen, glücklichen Paaren“ geworden. Die Paare hatten innerhalb eines Jahres bis zu 26 Sitzungen, und er warnte auch: „Wird es bei einem Paar in 26 Sitzungen nicht besser, ist das ein schlechtes Zeichen.“9
Wann es Zeit ist zu gehen
Manche Beziehungen sollten enden, und wer geht, hat sich deshalb nicht zu wenig Mühe gegeben. Habt ihr es beide versucht, mit einem klaren Plan und genug Zeit, und die Wärme kommt nicht zurück, dann ist auch das eine Antwort. Das gilt genauso, wenn immer nur einer von euch es versucht hat.
Selbst die große Auswertung mit 11.196 Paaren konnte kaum vorhersagen, wessen Beziehung besser werden würde.1 Was du tun kannst: festlegen, was sich bis wann ändern muss, und das deinem Partner sagen. Dann schau, was wirklich passiert, und nicht, was einer von euch verspricht.
Quellen (10)
- Joel, S., Eastwick, P. W., Allison, C. J., und andere (2020). Machine learning uncovers the most robust self-report predictors of relationship quality across 43 longitudinal couples studies. Proceedings of the National Academy of Sciences, 117(32), 19061-19071. Zur Studie Zurück zum Text
- Le, B., Dove, N. L., Agnew, C. R., Korn, M. S., und Mutso, A. A. (2010). Predicting nonmarital romantic relationship dissolution: a meta-analytic synthesis. Personal Relationships, 17(3), 377-390. Zur Studie Zurück zum Text
- Wilde, E. (2013, aktualisiert 2026). The Four Horsemen: criticism, contempt, defensiveness and stonewalling. The Gottman Institute. www.gottman.com Zurück zum Text
- Gottman, J. M., und Levenson, R. W. (2000). The timing of divorce: predicting when a couple will divorce over a 14-year period. Journal of Marriage and Family, 62(3), 737-745. Zur Studie Zurück zum Text
- Johannes Gutenberg-Universität Mainz (2025). Transition point in romantic relationships signals the beginning of their end. Pressemitteilung zu Bühler und Orth. press.uni-mainz.de Zurück zum Text
- Bühler, J. L., und Orth, U. (2025). Terminal decline of satisfaction in romantic relationships: evidence from four longitudinal studies. Journal of Personality and Social Psychology, online 20. März 2025. Zur Studie Zurück zum Text
- Doherty, W. J., Willoughby, B. J., und Peterson, B. (2011). Interest in marital reconciliation among divorcing parents. Family Court Review, 49(2), 313-321. Zur Studie Zurück zum Text
- Home Office (2023). Controlling or coercive behaviour: statutory guidance framework. Herausgegeben auf Grundlage von Section 77 des Serious Crime Act 2015. www.gov.uk Zurück zum Text
- University of California, Los Angeles (2010). Therapy can help even very distressed married couples, largest study finds. Forschungszusammenfassung auf ScienceDaily. www.sciencedaily.com Zurück zum Text
- Christensen, A., Atkins, D. C., Baucom, B., und Yi, J. (2010). Marital status and satisfaction five years following a randomized clinical trial comparing traditional versus integrative behavioral couple therapy. Journal of Consulting and Clinical Psychology, 78(2), 225-235. Zur Studie Zurück zum Text
Über diese Quellen. Die Zahlen aus den Studien von Le, Doherty und Christensen (jeweils mit Kollegen) stammen aus den veröffentlichten Zusammenfassungen, weil die vollständigen Artikel hinter einer Bezahlschranke liegen. Die Angaben aus der Studie von Joel und Kollegen stammen aus dem frei zugänglichen Preprint und der veröffentlichten Zusammenfassung. Bei Bühler und Orth stammen die Phasen und die 7 bis 28 Monate aus der Zusammenfassung. Die 11.295 Menschen, die vier Länder, die 12 bis 21 Jahre, der Befund, dass Paare, die zusammenblieben, keinen steilen Absturz hatten, und die Arbeit der Hauptautorin als Paartherapeutin stammen aus der Pressemitteilung der Universität Mainz. Die Aussage über Verachtung stammt vom Gottman Institute selbst, und seine Seite zeigt nicht, wie sie gemessen wurde. Das Drittel der Paare, das zu normalen, glücklichen Paaren wurde, die 26 Sitzungen und die Zitate stammen aus der Forschungszusammenfassung der UCLA auf ScienceDaily. Die Zitate sind aus dem Englischen übersetzt.







