Er meldet sich plötzlich nicht mehr: Woran kann das liegen?
Wochenlang lief der Chat wie von selbst, dann war einfach Schluss. Warum jemand verstummt, was du noch schreibst und wie lange du wartest.
Kurz gesagt
Meistens liegt der Grund bei der anderen Person: Das Interesse war weg, es gab jemand anderen, oder es war noch so frisch, dass Schweigen der einfachste Ausweg war. Dass jemand einfach zu viel um die Ohren hat, kommt seltener vor, als es sich anfühlt. Schreib eine klare, freundliche Nachricht. Kommt nach ein, zwei Wochen nichts, ist das deine Antwort.

Ein paar Wochen lang lief das Schreiben wie von selbst. Ein Foto vom Mittagessen in der Kantine, ein Witz über deine Playlist, ein „Gut heimgekommen?“ nach dem zweiten Date. Dann wurden die Antworten kürzer und die Pausen länger, und jetzt kommt gar nichts mehr. Du hast den ganzen Chat schon hochgescrollt, auf der Suche nach dem Satz, mit dem du alles kaputtgemacht hast. Du findest ihn nicht.
Meist gibt es diesen Satz auch gar nicht. Wenn sich jemand am Anfang nicht mehr meldet, liegt der Grund eher bei ihm oder ihr als bei dir. Das Interesse ist weg, da ist jemand anderes, oder es war noch so frisch, dass ein ausgesprochenes Ende übertrieben schien. Nicht mehr zu antworten war der Ausweg, der ohne Worte auskommt. Dass jemand einfach viel um die Ohren hat, kommt auch vor, nur seltener, als es sich anfühlt, solange du wartest. Drei Fragen helfen dir weiter: Wie weit wart ihr schon? Was schreibst du ein letztes Mal? Und wie lange gibst du der Sache?
Meistens heißt die Frage „Warum meldet er sich nicht mehr?“, aber andersherum passiert es genauso oft. In einer Umfrage unter Menschen, die in Belgien und den Niederlanden Dating-Apps nutzen, hatten Frauen etwa genauso oft geghostet wie Männer.1 Alles hier gilt also für jeden, der sich nicht mehr bei dir meldet, ob Mann oder Frau.
Was Menschen sagen, die selbst geghostet haben
Für diese Umfrage beantworteten 328 Menschen, die Dating-Apps nutzen, Fragen zum Ghosting. So nennt man es, wenn jemand den Kontakt beendet, indem er einfach nicht mehr antwortet. Mehr als 8 von 10 waren schon einmal geghostet worden, und etwa 6 von 10 hatten selbst jemanden geghostet.1 Die Person, die sich bei dir nicht mehr meldet, stand also sehr wahrscheinlich auch schon auf deiner Seite. Und vielleicht standest du schon einmal auf ihrer.
Von denen, die jemanden geghostet hatten: Wie viele sagten, sie hätten zu viel zu tun gehabt oder es sei die Mühe nicht wert gewesen?
Schätz zuerst.
Wer geghostet hatte, erklärte in eigenen Worten, warum. Viele nannten mehr als einen Grund:
- Gründe bei der anderen Person, bei etwa 2 von 3: Sie wirkte langweilig oder aufdringlich, alles ging zu schnell, oder es wurde klar, dass beide etwas anderes wollten.1
- Gründe bei ihnen selbst, bei mehr als 4 von 10: noch nicht bereit fürs Dating, jemand anderen kennengelernt oder die Angst, dass ein klares Nein hässlich endet.
- Die App hat es leicht gemacht, bei etwa 3 von 10. Es gibt keine gemeinsamen Freunde, und wer die App löscht, ist alle Chats auf einen Schlag los.
- Etwa jeder Fünfte fand, er sei niemandem eine Erklärung schuldig.
- Etwa jeder Sechste wollte der anderen Person die Gründe nicht aufzählen, um ihr nicht wehzutun.
Eine zweite Studie fragte Menschen nach ihrer letzten Trennung. Wer Schluss gemacht hatte, indem er sich einfach nicht mehr meldete, war danach weniger aufgewühlt als jemand, der es in einem Gespräch beendet hatte. Und wer verlassen wurde, fühlte sich schlechter als die Person, die gegangen war.2 Schweigen erspart dem, der geht, ein unangenehmes Gespräch. Das ganze Rätseln bleibt dafür bei dir.
Was passt zu deiner Situation?
- Ihr habt nur geschrieben oder euch ein-, zweimal getroffen
- Es kommt noch etwas zurück, aber immer weniger
- Es lief schon wochenlang gut
- Es passiert dir immer wieder
- Du selbst antwortest nicht mehr
Ihr habt nur geschrieben oder euch ein-, zweimal getroffen
Hier passiert es am häufigsten. In einer Studie der Universität Utrecht erzählten 177 Studierende, die über Apps daten, wie sie zuletzt abgewiesen worden waren. Etwa 6 von 10 waren geghostet worden. Viel seltener hatte jemand das Match gelöscht oder in einer Nachricht einen Grund genannt. Von denen, die geghostet wurden, hatte mehr als jeder Dritte schon über 31 Nachrichten ausgetauscht.3
Nach 30 Nachrichten fühlt es sich schnell so an, als würde gerade etwas anfangen. Für die andere Person war es vielleicht noch ein Chat neben zwei anderen. Dass es sich für beide so unterschiedlich ernst anfühlte, erklärt einen großen Teil des Schocks.
In dieser Phase kannst du eine lockere Nachricht schicken, wenn du magst. Danach machst du einfach mit deinem Alltag weiter. Den Chat Zeile für Zeile durchzugehen, bringt keinen Grund ans Licht, denn der steht selten drin.
Es kommt noch etwas zurück, aber immer weniger
Kurze Antworten, lange Pausen, ein Herz unter deiner Nachricht, wo früher eine Gegenfrage kam. Manchmal ist das ein langsamer Abschied. Manchmal hält dich jemand nur hin: ab und zu eine flirtende Nachricht, gerade genug, damit du dranbleibst, ohne dass ihr je irgendwo ankommt. Auf Englisch heißt das Breadcrumbing.
In einer Umfrage unter Erwachsenen in Spanien sagte etwa jeder Dritte, dass ihn im vergangenen Jahr jemand so hingehalten habe. Geghostet worden war im selben Zeitraum etwa jeder Fünfte.4 Als das Team dieselbe Umfrage noch einmal auswertete, zeigte sich: Wer immer wieder hingehalten wurde, war weniger zufrieden mit seinem Leben, fühlte sich einsamer und hilfloser. Bei Menschen, die nur geghostet worden waren, fand sich dieser Zusammenhang nicht.5 Die Umfrage war eine einzige Momentaufnahme. Deshalb kann sie nicht sagen, was zuerst da war. Sie passt aber zu dem, was viele erleben: Über ein klares Ende kommt man manchmal leichter hinweg als über einen Chat, der nie ganz aufhört.
Wie schnell jemand antwortet, sagt schon etwas, nur weniger, als es scheint. In einem Experiment von Forschenden aus Deutschland kam die Nachricht nach dem ersten Date sofort, am nächsten Morgen oder zwei Tage später. Kam sie am nächsten Morgen, wollten die Leute die Person am ehesten wiedersehen. Das lag zu einem großen Teil daran, dass der Absender verlässlich wirkte und genauso interessiert wie sie selbst.6 Wir lesen am Timing ab, wie viel jemandem an uns liegt. Eine einzelne langsame Antwort beweist aber wenig. Schau lieber, was in den nächsten zwei Wochen passiert. Schlägt die andere Person ein Treffen vor? Finden Verabredungen auch wirklich statt? Das sagt mehr als die Zeit bis zur nächsten Antwort.
Es lief schon wochenlang gut
Das tut am meisten weh, und die Forschung bestätigt das. Geghostet zu werden traf die Menschen härter, wenn der Kontakt länger gedauert hatte, wenn sich die beiden schon persönlich getroffen hatten und wenn es völlig unerwartet kam. Manche dachten zuerst gar nicht an eine Abfuhr. Sie hatten Angst, der anderen Person sei etwas Schlimmes passiert.1

Nach ein paar echten Dates darfst du ruhig direkt fragen und eine ehrliche Antwort erwarten. Vielleicht ist im Leben der anderen Person wirklich etwas schiefgegangen. Dann macht es ihr eine freundliche Frage leicht, sich wieder zu melden. Wenn nicht, hast du ihr eine klare Chance gegeben, es zu sagen. Ihr Schweigen danach sagt dir, was du wissen musst.
Es passiert dir immer wieder
Passiert es drei- oder viermal, fragst du dich natürlich, was du falsch machst. Ein Forschungsteam aus den USA hat das in drei Studien untersucht. Menschen, die geghostet worden waren, hatten im Schnitt einen ängstlicheren Bindungsstil. Das heißt: Sie haben viel Angst, verlassen zu werden, und brauchen viel Bestätigung vom Partner oder von der Partnerin.7 In welche Richtung das läuft, weiß niemand. Ohne ein Wort fallen gelassen zu werden, könnte Menschen beim nächsten Mal ängstlicher machen. Genauso gut könnten ängstliche Menschen öfter fallen gelassen werden.
Dieselben Studien haben sich auch die angeschaut, die geghostet hatten. Sie glaubten öfter, dass es zwischen zwei Menschen entweder von Anfang an passt oder eben nie. Mit dieser Einstellung hakt man jemanden schnell ab, sobald es sich nicht gleich richtig anfühlt.7 Ein Teil des Musters liegt also vielleicht daran, wen du auf Apps zufällig triffst, und nicht nur an dir.
Wenn dich vor allem das Warten fertigmacht: Der Overthinking-Test zeigt, wie stark deine Gedanken im Kreis laufen, verglichen mit denen anderer Menschen.
Du selbst antwortest nicht mehr
Vielleicht hast du das hier gesucht, weil du dich selbst bei jemandem nicht mehr gemeldet hast und dich deshalb mies fühlst. Forschende in den USA und in Großbritannien fanden heraus, dass sich Menschen, die ghosten, oft schlechter fühlen, als die andere Person vermuten würde. Das gilt vor allem, wenn sie gar nicht ghosten wollten und eine Antwort einfach liegen ließen. Der Unterschied war kleiner, wenn sie wenigstens ganz kurz geantwortet hatten, etwa „sorry, kann gerade nicht“, statt gar nichts zu schreiben.8
Hast du einen Chat einschlafen lassen, ist eine späte Nachricht mit zwei Sätzen also immer noch besser als nichts: „Ich war echt schlecht im Antworten. Ich glaube, für mich wird das nichts, aber ich hab gern mit dir geschrieben.“ Das kostet dich eine Minute, und die andere Person weiß, woran sie ist.
Was du schreibst und was du besser lässt
Schreib eine Nachricht, kurz und ohne Vorwürfe, und lass der anderen Person einen leichten Ausweg. Zum Beispiel: „Hey, ich hab eine Weile nichts von dir gehört. Wenn du keine Lust mehr hast, ist das okay, ich wüsste es nur gern.“ So eine Nachricht übersieht niemand aus Versehen, und sie lässt sich leicht ehrlich beantworten.
Danach lass es gut sein. In der Umfrage aus Belgien und den Niederlanden versuchten 33 Leute, die geghostet worden waren, die andere Person noch einmal zu erreichen. Manche bekamen eine Erklärung. Andere hörten nie wieder etwas, und für einige wurde es dadurch nur schlimmer.1
Lass möglichst auch ihre Social-Media-Profile in Ruhe. In zwei Experimenten in den USA wurden Menschen in einem erfundenen Dating-Szenario geghostet. Sie hingen danach stärker an der Person als Menschen, die eine klare Absage bekommen hatten. Und sie wollten das Social-Media- und Dating-Profil der Person genauso oft anschauen wie Menschen, deren Date Ja gesagt hatte.9 Jeder Blick hält die Tür einen Spalt offen. Wenn Blockieren zu endgültig wirkt, reicht es auch, die Person stummzuschalten.
Ist ein klares Nein immer netter als Schweigen?
Nicht immer, jedenfalls nicht, was den Schmerz angeht. In den Experimenten aus den USA fühlten sich Geghostete und Menschen mit einer klaren Absage etwa gleich schlecht, und beide dachten danach schlechter über sich selbst.9 In der Utrechter Studie fanden die Studierenden, die einen Grund genannt bekommen hatten, ihre Abfuhr sogar am schmerzhaftesten. Diese Absagen kamen allerdings meist nach längerem Kontakt, und das könnte es erklären.3
Wo ein klares Nein wirklich hilft: beim Abschließen. Wer ein Nein gehört hatte, hielt danach meist Abstand. Wer geghostet wurde, hoffte weiter und schaute weiter nach.9 Ein Grund tut nicht weniger weh, aber du hörst auf zu warten.
Wann das Schweigen die Antwort ist
Hast du eine klare Nachricht geschickt und es kommt ein, zwei Wochen lang nichts, dann nimm das als Antwort. Für eine genaue Zahl von Tagen gibt es keine Forschung. Wer dich weiter treffen will, lässt eine freundliche, direkte Frage aber selten so lange liegen. Meldet sich die Person später mit einem guten Grund, hörst du ihn dann immer noch, und du kannst entscheiden, was er dir wert ist.
Bis dahin steck die Zeit, die du sonst mit dem Blick aufs Handy verbringst, lieber in die Menschen, die dir antworten. In der Umfrage aus Belgien und den Niederlanden halfen sich die Leute, indem sie mit Freunden darüber redeten oder die App oder die Nummer erst einmal löschten. Am häufigsten sagten sie sich, dass es wenig mit ihnen zu tun hat und beim Dating einfach dazugehört.1
Quellen (10)
- Timmermans, E., Hermans, A.-M., und Opree, S. J. (2021). Gone with the wind: Exploring mobile daters’ ghosting experiences. Journal of Social and Personal Relationships, 38(2), 783-801. Umfrage unter 328 niederländischsprachigen Nutzerinnen und Nutzern von Dating-Apps in Belgien und den Niederlanden: 85 % waren geghostet worden, 63 % hatten selbst geghostet; Gründe von 142 Menschen, die geghostet hatten. Zur Studie Zurück zum Text
- Koessler, R. B., Kohut, T., und Campbell, L. (2019). When your boo becomes a ghost: The association between breakup strategy and breakup role in experiences of relationship dissolution. Collabra: Psychology, 5(1), 29. Zur Studie Zurück zum Text
- DUB, Universität Utrecht (2024). Researcher wants to make rejections in online dating less painful. Nachrichtenartikel über Quelle 3. dub.uu.nl Zurück zum Text
- Navarro, R., Larrañaga, E., Yubero, S., und Villora, B. (2020). Ghosting and breadcrumbing: prevalence and relations with online dating behaviors among young adults. Escritos de Psicología, 13(2), 46-59. 626 spanische Erwachsene von 18 bis 40 Jahren: 19,3 % geghostet und 35,6 % hingehalten (Breadcrumbing) im vergangenen Jahr. Zur Studie Zurück zum Text
- Navarro, R., Larrañaga, E., Yubero, S., und Víllora, B. (2020). Psychological correlates of ghosting and breadcrumbing experiences: A preliminary study among adults. International Journal of Environmental Research and Public Health, 17(3), 1116. Zur Studie Zurück zum Text
- Teichmann, L., Petrowsky, H. M., Boecker, L., Soliman, M., und Loschelder, D. D. (2026). How the timing of texting triggers romantic interest after the first date: A curvilinear U-shaped effect and its underlying mechanisms. Journal of Social and Personal Relationships, 43(2), 570-593. Zur Studie Zurück zum Text
- Powell, D. N., Freedman, G., Williams, K. D., Le, B., und Green, H. (2021). A multi-study examination of attachment and implicit theories of relationships in ghosting experiences. Journal of Social and Personal Relationships, 38(7), 2225-2248. Zur Studie Zurück zum Text
- Li, S., Zheng, C., und Schroeder, J. (2026). The pain of ghosting? People underestimate how bad their conversation partners feel about not responding. Personality and Social Psychology Bulletin, online first. Zur Studie Zurück zum Text
- Szczesniak, A. L., Pierce, M. E., und Spielmann, S. S. (2025). Give up the ghost: Emotional and behavioral responses to ambiguous rejection. Personal Relationships, 32(3), e70018. Zur Studie Zurück zum Text
- van der Zanden, T., und Schokkenbroek, J. M. (2024). Multiple facets of rejections in online dating: Exploring types, reasons, and impact. Cyberpsychology, Behavior, and Social Networking, 27(8), 582-587. Zur Studie
Über diese Quellen. Die Quellen 1, 6 und 7 wurden vollständig gelesen. Für die Quellen 2, 3, 5, 8, 9 und 10 stammen die Ergebnisse aus den veröffentlichten Zusammenfassungen, für Quelle 2 auch aus dem Preprint der Autoren (osf.io/nt5r4) und für Quelle 10 auch aus einem Nachrichtenartikel über die Studie (PsyPost, 2025). Der Anteil derer, die sagten, sie hätten zu viel zu tun gehabt (14 von 142 Menschen, die geghostet hatten: zu viel zu tun oder die Mühe nicht wert), ist aus Quelle 1 ausgezählt. Die Utrechter Zahlen (etwa 6 von 10 geghostet, mehr als 1 von 3 nach über 31 Nachrichten) stammen aus dem Nachrichtenartikel der Universität über Quelle 3.







