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Einsam neben deinem Partner?

Ihr teilt Bett, Kalender und Kühlschrank, und an manchen Abenden fühlst du dich trotzdem allein. Woher das kommt und wie du es ohne Vorwurf ansprichst.

Veröffentlicht am 27. Oktober 2026, 9 Min. Lesezeit.

Kurz gesagt

Meistens liegt es an einem von zwei Dingen: Die kleinen Momente, in denen ihr euch zuwendet, sind selten geworden. Oder dein Partner ist der einzige Mensch, dem du dich noch nah fühlst. Im ersten Fall geht es um eure Nähe, im zweiten um die Menschen um euch herum. Gegen beides lässt sich etwas tun, und keiner von euch muss schuld sein.

Zwei Menschen sitzen nebeneinander auf einer Bank, jeder schaut auf sein eigenes Handy, von oben fotografiert

Ihr sitzt auf demselben Sofa, der Fernseher läuft, irgendeine Serie, die keiner von euch so richtig ausgesucht hat, und jeder scrollt durch sein eigenes Handy. Vorhin hast du etwas erzählt, das dich bei der Arbeit geärgert hat, und als Antwort kam „hm“. Niemand hat etwas falsch gemacht. Trotzdem fühlst du dich einsamer als damals, als du noch allein gewohnt hast. Und genau das macht es so schwer zu erklären, sogar dir selbst.

Das kommt häufiger vor, als es von außen aussieht. In einer großen Studie aus den Niederlanden mit Verheirateten zwischen 64 und 92 Jahren fühlte sich etwa jeder vierte bis fünfte mäßig oder stark einsam.1 Wichtig scheint vor allem zu sein, wie die beiden ihre Ehe selbst erleben. In einer Umfrage unter mehr als 2.700 amerikanischen Paaren über 50 hatte das eigene Urteil über die Ehe viel damit zu tun, wie einsam die Leute waren.2 Die meisten dieser Studien haben ältere Paare untersucht. Für jüngere sind sie also ein deutlicher Hinweis, aber noch kein Beweis.

Schon 1973 hat der amerikanische Soziologe Robert Weiss Einsamkeit in zwei Arten eingeteilt.3 Bei emotionaler Einsamkeit fehlt dir ein Mensch, der dir wirklich nahesteht. Bei sozialer Einsamkeit fehlt dir ein größerer Kreis: Freunde, Nachbarn, Leute, denen es auffallen würde, wenn du eine Woche lang von der Bildfläche verschwindest. Gegen die erste Art kann eine Partnerin oder ein Partner helfen. Die zweite kann kein einzelner Mensch auffangen.

Beide fühlen sich fast gleich an. Deshalb gibt man leicht der Beziehung die Schuld an beidem. Gegen jede hilft aber etwas anderes. Finde also erst heraus, mit welcher du es zu tun hast, bevor du etwas sagst.

Was davon kennst du?

Du suchst Kontakt, aber er kommt nicht an

Nähe zwischen zwei Menschen wächst weniger in langen, ernsten Gesprächen als in winzigen Momenten: ein „Guck mal“, eine Hand auf der Schulter, ein Seufzer, bei dem man hofft, dass der andere nachfragt. Der amerikanische Paarforscher John Gottman nennt das auf Englisch „bids“, auf Deutsch etwa kleine Kontaktversuche. Gemeint ist jedes kleine Signal, das sagt: „Ich will dir gerade nah sein.“4 Der andere kann sich zuwenden, also aufschauen und antworten. Er kann es übersehen. Oder er kann abwehren, etwa mit „Siehst du nicht, dass ich gerade beschäftigt bin?“

In Gottmans Labor hatten Paare, die sich später scheiden ließen, viel mehr Kontaktversuche des anderen übergangen als Paare, die zusammenblieben.4 In einer späteren Studie filmte sein Team 49 frisch verheiratete Paare, einmal bei einer ganz normalen Mahlzeit und einmal bei einem Gespräch über einen Streitpunkt. Paare, die beim Essen verspielt und herzlich miteinander waren, zeigten auch im Streit mehr Humor und Zuneigung.5 Die Studie zeigt nur, dass beides zusammen auftritt. Was zuerst kommt, kann sie nicht sagen.

Wenn du dich hier wiederfindest, schreib ein paar Tage lang für dich auf, wann du Kontakt suchst und was dann passiert. Dann notier auch die andere Richtung: wann dein Partner auf dich zukam und du gerade auf einen Bildschirm geschaut hast. Solche Versuche sind klein und leicht zu übersehen, also zählt die zweite Liste genauso viel wie die erste.

Nachbarn stehen im Gemeinschaftsgarten zwischen den Beeten und reden, daneben ein Gewächshaus
Ein kurzer Satz über das Gemüsebeet hinweg ist auch ein Kontaktversuch. Gerade die kleinen gehen leicht unter.

Auch eine gute Nachricht ist ein Kontaktversuch, und wie der andere darauf reagiert, scheint mitzuzählen. Darauf deutet eine Reihe von Studien in den USA hin. Reagierte der Partner auf gute Nachrichten meist mit echtem Interesse und Nachfragen, fühlten sich die Menschen ihm im Alltag näher. Sie waren auch zufriedener mit der Beziehung.6

Dein Partner kommt nach Hause und freut sich über etwas, das gut gelaufen ist. Was machst du meistens?

Schätz zuerst.

Ihr redet nur noch darüber, was zu erledigen ist

Wer holt die Kleine aus der Kita, ist der Stromabschlag schon überwiesen, kommt deine Mutter am Sonntag noch zum Kaffee? In eurem Chat geht es um den Einkauf und darum, wer die gelbe Tonne rausstellt. Paare, die schon Jahre zusammen sind, können jeden Tag miteinander reden und trotzdem wochenlang kein Wort darüber verlieren, wie es ihnen geht.

Kinder beschleunigen das. Ein Team der Universität Denver hat 218 frisch verheiratete Paare acht Jahre lang begleitet. Bei den Paaren, die ihr erstes Kind bekamen, wurde die Beziehung plötzlich schlechter: Das Schöne nahm ab, das Schwierige nahm zu. Im Schnitt hielt das bis zum Ende der Studie an. Bei Müttern und Vätern war der Rückgang ungefähr gleich stark.7 Paare ohne Kinder rutschten auch ab, nur langsamer.

Etwas Neues zusammen zu machen, scheint gegen den Trott zu helfen. In Experimenten in New York bewerteten Paare ihre Beziehung danach besser, wenn sie sieben Minuten lang gemeinsam eine neue, etwas aufregende Aufgabe gelöst hatten. Paare mit einer langweiligen Aufgabe taten das nicht. In Umfragen waren Paare zufriedener und weniger voneinander gelangweilt, wenn sie nach eigener Aussage oft aufregende Dinge zusammen unternahmen.8 Eine Wanderroute, die ihr noch nicht kennt, ein Kurs an der Volkshochschule, den keiner von euch je gemacht hat, eine Stadt, in der ihr noch nie wart: Wichtig ist nur, dass es für euch beide neu ist.

Sind die Kinder schuld? Weniger, als es aussieht

Es liegt nahe, den Babyjahren die Schuld zu geben. Forscher haben 37 Studien gemeinsam ausgewertet, die Paare von der Schwangerschaft bis ins erste Jahr mit Kind begleitet haben. Die Zufriedenheit sank, aber nur ein wenig. Bei frisch Verheirateten ohne Kinder sank sie in ähnlich langer Zeit ungefähr genauso stark.9 Ein Teil dessen, was Eltern spüren, ist also vielleicht einfach der Verschleiß der ersten gemeinsamen Jahre, und den erleben Paare ohne Kinder auch. In der Studie aus Denver kam der Rückgang mit einer Geburt plötzlich und ohne Kind schleichend. Ein Kind scheint also zumindest den Zeitpunkt zu verändern.7

Dein Partner ist dein ganzes soziales Leben geworden

Zusammenziehen, ein Umzug, weil einer von euch einen neuen Job hat, ein paar Jahre mit kleinen Kindern: Jedes davon kann Freundschaften ausdünnen, ohne dass es je jemand beschlossen hat. Dann trägt plötzlich ein einziger Mensch alles, von der lustigen Szene in der S-Bahn bis zur Sorge um die Gesundheit deines Vaters.

Das ist die zweite Art bei Weiss, die soziale Einsamkeit. Du kannst einen liebevollen Partner haben, der dir nah ist, und sie trotzdem spüren. Deshalb hält man sie so leicht für ein Problem zwischen euch beiden.3 In der Studie aus den Niederlanden fühlten sich Verheiratete einsamer, wenn sie einen kleineren Kreis um sich hatten und weniger Kontakt zu ihren erwachsenen Kindern. Das galt für beide Arten von Einsamkeit.1

Wenn das auf dich zutrifft, ist mit der Beziehung vielleicht alles in Ordnung. Von deinem Partner zu verlangen, die ganze Lücke zu füllen, klappt dann selten. Schließen können die Lücke eher Freunde, Kollegen und Nachbarn. Wie Freundschaften wachsen, liest du im Artikel „Warum fühle ich mich einsam, obwohl ich Freunde habe?“. Und du kannst deinen Freundeskreis zeichnen und sehen, welche Ringe leer geworden sind.

Du ahnst, dass es euch beiden so geht

In einer Beziehung ist selten nur einer einsam. In der Studie mit 2.700 amerikanischen Paaren hing die Einsamkeit des einen mit der des anderen zusammen: Fühlte sich einer einsam, ging es dem anderen oft ähnlich.2 Die Forscher vermuteten, dass auch der andere etwas davon hat, wenn sich einer von beiden ein eigenes soziales Leben aufbaut.

Es kann also helfen, darüber zu reden wie über etwas, das euch beide betrifft. „Mit dir fühle ich mich einsam“ klingt wie eine Anklage. „Ich glaube, wir haben uns beide ein Stück voneinander entfernt, und mir fehlt, wie wir früher waren“ lädt den anderen zum Gespräch ein.

Wie du es ansprichst, ohne dass ein Streit daraus wird

Wie ein schwieriges Gespräch anfängt, prägt den Rest. Forscher in Seattle haben 124 frisch verheiratete Paare gefilmt, während sie über einen Streitpunkt sprachen. Allein die Stimmung in den ersten drei Minuten reichte, um vorherzusagen, welche Paare sich in den folgenden sechs Jahren scheiden lassen würden.10

  • Such dir einen ruhigen Moment aus, nicht mitten im Streit und nicht nach einem langen Arbeitstag.
  • Fang mit einer bestimmten Situation an, nicht mit einem Urteil. „Als ich dir gestern von meinem Tag erzählt habe und du weitergescrollt hast, hab ich mich allein gefühlt“ kommt besser an als „Du redest nie mehr mit mir“.
  • Sag, was du vermisst, statt aufzuzählen, was der andere falsch macht. „Mir fehlt, wie wir früher beim Spazierengehen geredet haben“ gibt deinem Partner etwas, zu dem er Ja sagen kann.
  • Frag, wie es für den anderen war. Vielleicht ging es deinem Partner genauso, und er wusste nicht, wie er es sagen sollte.
  • Schlag zum Schluss eine kleine Sache vor, die ihr ausprobieren könnt, zum Beispiel jeden Sonntag einen Spaziergang zu zweit, ohne Handy.

Was du allein schon tun kannst

Für manches musst du nicht warten, bis dein Partner mitmacht.

  • Geh auf seine Kontaktversuche ein. Schau auf, wenn er „Guck mal“ sagt, auch wenn es wieder ein Video von einem Hund ist. Das kostet ein paar Sekunden, und genau diese Gewohnheit hättest du gern zurück.
  • Such selbst einmal am Tag Kontakt: eine Frage zu etwas, das er letzte Woche erzählt hat, eine Nachricht über eine Kleinigkeit, die du unterwegs gesehen hast.
  • Prüf, wie du sein Verhalten deutest. Einsamkeit kann die Antworten anderer kälter wirken lassen, als sie sind. In einer Auswertung von Studien zu Programmen gegen Einsamkeit wirkten die Ansätze am besten, die Menschen halfen, solche düsteren Vermutungen über andere zu bemerken.11
  • Plan eine Freundin oder einen Freund fest in deine Woche ein. Fehlt dir vor allem ein Freundeskreis, hilft mehr Zeit mit deinem Partner wenig. Jemand außerhalb eurer Beziehung nimmt ihr dann etwas Last ab.
  • Plan einmal im Monat etwas Neues mit deinem Partner, etwas, das noch keiner von euch gemacht hat.

Quellen (11)

  1. de Jong Gierveld, J., Broese van Groenou, M., Hoogendoorn, A. W., und Smit, J. H. (2009). Quality of marriages in later life and emotional and social loneliness. Journals of Gerontology, Series B: Psychological Sciences and Social Sciences, 64B(4), 497-506. Zur Studie Zurück zum Text
  2. Ayalon, L., Shiovitz-Ezra, S., und Palgi, Y. (2013). Associations of loneliness in older married men and women. Aging and Mental Health, 17(1), 33-39. Zur Studie Zurück zum Text
  3. Weiss, R. S. (1973). Loneliness: The experience of emotional and social isolation. Cambridge, MA: MIT Press. Die Einteilung in emotionale und soziale Einsamkeit. Zurück zum Text
  4. University of Washington (2001). „The Relationship Cure“ is manual for emotional connection. Pressemitteilung zu John Gottmans Forschung über bids. www.washington.edu Zurück zum Text
  5. Driver, J. L., und Gottman, J. M. (2004). Daily marital interactions and positive affect during marital conflict among newlywed couples. Family Process, 43(3), 301-314. Zur Studie Zurück zum Text
  6. Gable, S. L., Reis, H. T., Impett, E. A., und Asher, E. R. (2004). What do you do when things go right? The intrapersonal and interpersonal benefits of sharing positive events. Journal of Personality and Social Psychology, 87(2), 228-245. Zur Studie Zurück zum Text
  7. Doss, B. D., Rhoades, G. K., Stanley, S. M., und Markman, H. J. (2009). The effect of the transition to parenthood on relationship quality: an 8-year prospective study. Journal of Personality and Social Psychology, 96(3), 601-619. Zur Studie Zurück zum Text
  8. Aron, A., Norman, C. C., Aron, E. N., McKenna, C., und Heyman, R. E. (2000). Couples’ shared participation in novel and arousing activities and experienced relationship quality. Journal of Personality and Social Psychology, 78(2), 273-284. Zur Studie Zurück zum Text
  9. Mitnick, D. M., Heyman, R. E., und Smith Slep, A. M. (2009). Changes in relationship satisfaction across the transition to parenthood: a meta-analysis. Journal of Family Psychology, 23(6), 848-852. Zur Studie Zurück zum Text
  10. Carrère, S., und Gottman, J. M. (1999). Predicting divorce among newlyweds from the first three minutes of a marital conflict discussion. Family Process, 38(3), 293-301. Zur Studie Zurück zum Text
  11. Masi, C. M., Chen, H. Y., Hawkley, L. C., und Cacioppo, J. T. (2011). A meta-analysis of interventions to reduce loneliness. Personality and Social Psychology Review, 15(3), 219-266. Zur Studie Zurück zum Text

Über diese Quellen. 27. Oktober 2026. Das Buch von Weiss ist nicht online, deshalb wird die Einteilung in zwei Arten von Einsamkeit aus dem Buch selbst zitiert. Die Zahlen zur niederländischen Studie, zu den amerikanischen Paaren, zu den Studien mit frisch Verheirateten, zu den Studien über Elternschaft und zur Auswertung der Studien gegen Einsamkeit stammen aus den veröffentlichten Zusammenfassungen. Die Angaben zu übergangenen Kontaktversuchen stammen aus einer Pressemitteilung der University of Washington über Gottmans Arbeit, nicht aus einem Fachartikel.

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