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Heiß-kalt-Verhalten: Er zieht sich zurück und kommt wieder

Lange Nachrichten und Pläne, dann tagelang nur ein Wort, dann ist er wieder da, als wäre nichts gewesen. Was dich festhält und was du sagen kannst.

Veröffentlicht am 27. Oktober 2026, 10 Min. Lesezeit.

Kurz gesagt

Meistens ist er hin- und hergerissen: Er fühlt sich zu dir hingezogen, scheut aber mehr Nähe, weiß nicht, was er will, oder hält dich als Option warm. Was davon zutrifft, verraten seine Nachrichten nicht. Frag ihn einmal ganz direkt, was er will, und entscheide, was du hinnimmst, wenn es so weitergeht.

Ein Erwachsener schwingt auf einer Seilschaukel weit hinaus, unter ihm ein grüner Hügel und das Tal

Letztes Wochenende war er noch Feuer und Flamme. Lange Nachrichten, eine Sprachnachricht, über die du in der S-Bahn lachen musstest, Pläne für ein paar Tage an der Nordsee nächsten Monat. Dann wurden die Antworten kürzer, ein Wort, vielleicht zwei. Ein Treffen, das ihr ausgemacht hattet, sagte er mit einer vagen Ausrede ab, und du hast angefangen zu überlegen, was du Falsches gesagt hast. Eine Woche später ist er wieder da, herzlich und witzig, als hätte es die Funkstille nie gegeben. Und du bist erleichtert. Das ärgert dich, weil du weißt, dass es wahrscheinlich wieder passiert.

Wenn sich jemand ständig mal heiß, mal kalt verhält, ist er meistens hin- und hergerissen, was dich angeht. Ein Teil von ihm fühlt sich zu dir hingezogen. Ein anderer Teil scheut mehr Nähe, weiß nicht, ob er überhaupt eine Beziehung will, oder findet es ganz bequem, dich in der Nähe zu haben, ohne etwas zu versprechen. Was davon stimmt, verraten seine Nachrichten nicht, und wenn du sie noch so genau liest. Was du tun kannst: einmal direkt fragen und dann entscheiden, womit du leben willst.

Meistens geht es bei dieser Frage um einen Mann, aber das Muster gibt es bei allen Paaren. Alles Folgende gilt für jeden, der sich zurückzieht, egal ob Mann oder Frau.

Warum dich das Hin und Her so festhält

Der Sog, den du spürst, hat eine einfache Erklärung. Psychologen, die erforschen, wie wir lernen, wissen das schon lange: Eine Belohnung, die nach einer unvorhersehbaren Zahl von Versuchen kommt, lässt Menschen viel länger weitermachen als eine, die jedes Mal kommt. Deshalb fällt es so schwer, vom Spielautomaten wegzugehen. Du weißt nie, wann der nächste Gewinn kommt.1 Eine liebe Nachricht nach Tagen der Stille wirkt ähnlich. Weil du sie nicht vorhersehen kannst, schaust du immer wieder aufs Handy.

Wer nicht weiß, woran er ist, hat den anderen außerdem ständig im Kopf. Bei einem Experiment an der University of Virginia sahen 47 Studentinnen die Facebook-Profile von Männern, die sich angeblich ihr Profil angesehen hatten. Einigen wurde gesagt, die Männer fänden sie sehr gut, anderen, die Männer fänden sie durchschnittlich. Eine dritte Gruppe erfuhr, es könne beides sein. Die Frauen dieser dritten Gruppe dachten öfter an die Männer als die Frauen, die wussten, dass sie sehr gemocht wurden. Sie mochten die Männer auch mehr als die beiden anderen Gruppen.2

Das war eine kurze Aufgabe im Labor, mit Fremden, und die Autoren schrieben selbst, sie wüssten nicht, ob der Effekt anhält, wenn sich die Leute wirklich treffen. Trotzdem passt es zu einem Gefühl, das viele kennen. Das Rätseln fühlt sich an wie Interesse, auch wenn es meistens Sorge ist.

Der offene Kofferraum eines alten Autos, voll mit Koffern, obendrauf sitzt ein Teddybär
Ein Wochenende zu zweit, zugesagt, abgesagt, wieder zugesagt. Genau das hält dich im Ungewissen.

Was davon kennst du?

Ihr hattet erst ein paar Dates

Am Anfang steckt hinter dem Hin und Her oft einfach halbherziges Interesse. Er findet dich nett genug, um zu antworten, wenn ihm langweilig ist, er sich einsam fühlt oder gute Laune hat. Aber nicht so sehr, dass du für ihn an erster Stelle stehst. Vielleicht schreibt er auch mit anderen. Das macht ihn noch nicht zu einem schlechten Menschen. Du bekommst so aber ein ziemlich ehrliches Bild davon, wo du stehst.

In dieser Phase zählt, was er tut, nicht, was er schreibt. Schlägt er Treffen vor? Finden Verabredungen auch wirklich statt? Eine charmante Nachricht am Sonntagabend sagt weniger als ein Date, das er dreimal verschiebt. Kommen gar keine Antworten mehr, hilft dir unser Artikel Er meldet sich plötzlich nicht mehr: was du noch schreiben kannst und wie lange du warten solltest.

Er zieht sich zurück, sobald ihr euch näherkommt

Diese Variante verwirrt oft am meisten: ein wunderschönes Wochenende, das erste „Ich mag dich wirklich“, du lernst seine Freunde kennen, und dann wird es kalt. Für manche Menschen ist gerade die Nähe das, was sich unangenehm anfühlt. In einer landesweiten Umfrage unter Erwachsenen in den USA fühlte sich etwa jeder Vierte unwohl dabei, anderen nahezukommen und sich auf sie zu verlassen.3 Forscher nennen das einen vermeidenden Bindungsstil. Im Alltag sagen viele dazu Bindungsangst.

Eine Studie aus Yale zeigt, wie das funktionieren kann. Frisch verheiratete Paare führten fünf Tage lang Tagebuch über die kleinen Gefallen, die sie einander taten. Je stärker jemand schon vor der Hochzeit Nähe gemieden hatte, desto eher sah er die Freundlichkeiten des Partners als Pflicht. Das blieb auch so, als die Forscher herausrechneten, wie freiwillig der Partner nach eigener Aussage gehandelt hatte. In einem zweiten Experiment versetzten die Forscher Menschen nur kurz in eine Stimmung, in der sie lieber Abstand hielten. Auch sie sahen danach die Gefallen eines Freundes eher als Pflicht.4 Die Erklärung der Forscher: Ist eine Freundlichkeit nur Pflicht, musst du dich nicht auf sie verlassen. So fühlt sich Abstand sicherer an.

Das macht das Muster verständlich. Ein Freibrief ist es trotzdem nicht. Wer sich zurückzieht, sobald es schön wird, kann dir immer noch sagen, was los ist. Und du kannst selbst entscheiden, ob du das weiter aussitzen willst. Manche Menschen mit diesem Muster werden entspannter, wenn das Vertrauen wächst, andere nicht.

Ihr habt euch schon mehrmals getrennt und wieder versöhnt

Das kommt viel häufiger vor, als du vielleicht denkst. Forscher befragten junge Erwachsene rund um Toledo im US-Bundesstaat Ohio. Von denen, die gerade eine Beziehung hatten, mit jemandem zusammenlebten oder bis vor Kurzem in einer Beziehung waren, hatte sich fast die Hälfte mindestens einmal von diesem Menschen getrennt und war wieder mit ihm zusammengekommen.5

Ein Team der University of Texas befragte 211 Menschen in einer Beziehung. Einige von ihnen hatten sich immer wieder getrennt und versöhnt, die anderen nicht. Die On-off-Paare waren im Schnitt zwei- bis dreimal wieder zusammengekommen. Sie waren unzufriedener, fühlten sich von der Beziehung öfter enttäuscht und wussten weniger genau, wo sie standen. Grundsätzlich anders waren diese Menschen aber nicht: Beim Bindungsstil und den anderen Eigenschaften, die das Team gemessen hat, ähnelten sich beide Gruppen stark. Die Forscher vermuten, dass es eher daran liegt, wie die beiden miteinander umgehen, auch im Streit.6

Wenn du also immer wieder zurückgehst, hilft dir eher diese Frage: Was passiert zwischen euch jedes Mal, wenn ihr euch trennt, und ist diesmal etwas anders? Scheitert es jedes Mal am selben Streit, endet ein Neuanfang ohne Klärung wahrscheinlich genauso.

Er will keine Beziehung, meldet sich aber trotzdem

Er hat es klar gesagt: Er sucht nichts Ernstes. Trotzdem schreibt er dir, will dich sehen, und manchmal fühlt es sich sehr nach Beziehung an. Das tut oft besonders weh, weil die warmen Phasen so wirken, als würde er es sich doch noch anders überlegen.

Nimm ihn beim Wort. „Ich will keine Beziehung“ heißt genau das, jedenfalls im Moment. In Kontakt zu bleiben kostet ihn sehr wenig, und so bleibt etwas Schönes bestehen, ohne dass er etwas versprechen muss. Jemand kann echte Gefühle für dich haben und trotzdem keine Beziehung wollen. Beides geht gleichzeitig. In einer Studie der University of Utah und der University of Toronto fragten Forscher Menschen, die über eine Trennung nachdachten, nach ihren Gründen. Etwa die Hälfte hatte zugleich Gründe zu bleiben und Gründe zu gehen.7 Hin- und hergerissen zu sein, kommt also oft vor. Das heißt aber nicht, dass du warten musst, bis er sich entschieden hat.

Das Hin und Her geht von dir aus

Vielleicht hast du danach gesucht, weil dir jemand genau das vorgeworfen hat, und du erkennst dich ein Stück weit darin wieder. In derselben Studie aus Utah gehörte ein Partner, der sich zurückzieht, zu den häufigsten Gründen, warum Menschen gehen wollten.7 Der andere spürt es also wahrscheinlich stärker, als du denkst.

Du musst nicht alles geklärt haben, um fair zu sein. Sag einfach ehrlich, was los ist: „Ich mag dich, und ich werde nervös, wenn es schnell geht.“ Oder: „Ich weiß nicht, ob ich eine Beziehung will, und ich will dich nicht hinhalten.“ Damit hat der andere, was er braucht, um selbst zu entscheiden. Wer abtaucht und ohne ein Wort wieder auftaucht, überlässt das ganze Rätseln dem anderen.

Wie du fragst, was er will

Such dir einen ruhigen Moment in einer der guten Phasen, nicht direkt nach einer Funkstille, wenn du verletzt bist. Sag es am besten persönlich, sonst in einer kurzen Nachricht. Beschreib das Muster, ohne ihm Vorwürfe zu machen, und stell dann eine einzige Frage: „Wir haben richtig schöne Wochen, dann wird es still, und ich weiß nie, woran ich bin. Was wünschst du dir eigentlich mit uns?“

Hör dann auf die Antwort, die du bekommst, nicht auf die, die du dir erhofft hast. „Ich weiß nicht“ ist auch eine Antwort. Genauso ein Themenwechsel oder ein Witz und ein Kuss. Sagt er, dass er dasselbe will wie du, achte darauf, ob die nächsten Wochen anders aussehen. Sagt er Ja und ändert sich trotzdem nichts, richte dich nach dem, was er tut.

Wirkst du nicht attraktiver, wenn du dich rar machst?

Dating-Ratgeber behaupten das seit Jahrzehnten, und das Experiment aus Virginia oben schien ihnen recht zu geben.2 Später prüfte ein Team aus Israel und den USA das direkter, in sechs Studien: in Online-Chats mit Fremden und bei Paaren, die schon länger zusammen waren. Nicht zu wissen, woran man ist, machte den anderen sexuell weniger anziehend, aber nur, wenn er desinteressiert wirkte. Ein klares Zeichen von Interesse machte ihn anziehender. Bei Paaren, die lange zusammen waren, war es genauso: Wer sich des anderen sicher war, empfand mehr Verlangen.8

Unsicherheit kann also dafür sorgen, dass dir jemand eine Zeit lang nicht aus dem Kopf geht, wie die Studie aus Virginia gezeigt hat. Mit ihm zusammen sein zu wollen, ist etwas anderes. Auf Dauer zählt offenbar mehr, dass man weiß, woran man beim anderen ist.

Wo deine Grenze liegt

Was ein anderer fühlt, kannst du nicht bestimmen. Du kannst aber bestimmen, wie viel Ungewissheit du hinnimmst und wie lange. Manche sind mit etwas Lockerem zufrieden, das kommt und geht. Andere wollen nach ein paar Monaten wissen, ob daraus etwas wird. Beides ist in Ordnung, solange du es selbst entschieden hast und nicht einfach hineingerutscht bist.

Mach es konkret. Leg fest, was du brauchst, zum Beispiel Verabredungen, die auch stattfinden, eine Antwort innerhalb von ein, zwei Tagen oder ein klares Ja oder Nein dazu, ob ihr fest zusammen seid. Und leg fest, wie lange du darauf warten willst. Ist die Zeit um, handle auch danach. Zermürben dich vor allem die kalten Phasen, zeigt dir der Overthinking-Test, wie stark deine Gedanken im Vergleich zu anderen kreisen.

Und wenn du klar gefragt und lange genug gewartet hast und sich nichts ändert, dann ist das deine Antwort. Kommt er später zurück und hat sich wirklich verändert, siehst du das an dem, was er tut. Dann kannst du immer noch entscheiden, was es dir wert ist.

Quellen (8)

  1. Spielman, R. M., Jenkins, W. J., und Lovett, M. D. (2020). Psychology 2e, section 6.3: Operant conditioning. OpenStax, Rice University. openstax.org Zurück zum Text
  2. Whitchurch, E. R., Wilson, T. D., und Gilbert, D. T. (2011). „He loves me, he loves me not...“: Uncertainty can increase romantic attraction. Psychological Science, 22(2), 172-175. Zur Studie Zurück zum Text
  3. Mickelson, K. D., Kessler, R. C., und Shaver, P. R. (1997). Adult attachment in a nationally representative sample. Journal of Personality and Social Psychology, 73(5), 1092-1106. 59 % sicher, 25 % vermeidend, 11 % ängstlich gebunden. Zur Studie Zurück zum Text
  4. Beck, L. A., und Clark, M. S. (2010). Looking a gift horse in the mouth as a defense against increasing intimacy. Journal of Experimental Social Psychology, 46(4), 676-679. Zur Studie Zurück zum Text
  5. Halpern-Meekin, S., Manning, W. D., Giordano, P. C., und Longmore, M. A. (2013). Relationship churning in emerging adulthood: On/off relationships and sex with an ex. Journal of Adolescent Research, 28(2), 166-188. 792 junge Erwachsene zwischen 17 und 24 Jahren in Lucas County, Ohio. Zur Studie Zurück zum Text
  6. Dailey, R. M., Zhong, L., Pett, R., Scott, D., und Krawietz, C. (2020). Investigating relationship dispositions as explanations for on-again/off-again relationships. Journal of Social and Personal Relationships, 37(1), 201-211. Zur Studie Zurück zum Text
  7. Joel, S., MacDonald, G., und Page-Gould, E. (2018). Wanting to stay and wanting to go: Unpacking the content and structure of relationship stay/leave decision processes. Social Psychological and Personality Science, 9(6), 631-644. Zur Studie Zurück zum Text
  8. Birnbaum, G. E., Kanat-Maymon, Y., Mizrahi, M., Barniv, A., Nagar, S., Govinden, J., und Reis, H. T. (2018). Are you into me? Uncertainty and sexual desire in online encounters and established relationships. Computers in Human Behavior, 85, 372-384. Zur Studie Zurück zum Text

Über diese Quellen. Quelle 1, 2, 4 und 5 wurden vollständig gelesen. Für Quelle 3 und 8 stammen die Ergebnisse aus den veröffentlichten Zusammenfassungen, für Quelle 8 auch aus der Pressemitteilung der University of Rochester (2018). Quelle 6 ist nach der veröffentlichten Zusammenfassung und einem Bericht von PsyPost über die Studie beschrieben (im Schnitt 2,66-mal wieder zusammengekommen bei den On-off-Paaren), die Angaben zum Artikel stammen aus dem Eintrag der Zeitschrift. Die Ergebnisse von Quelle 7 (27 Gründe zu bleiben, 23 zu gehen, etwa die Hälfte mit Gründen in beide Richtungen, ein Partner, der sich zurückzieht, unter den häufigsten Gründen zu gehen) stammen aus der Pressemitteilung der University of Utah zu dem Artikel (2017). Der Anteil, der wieder zusammenkam (fast die Hälfte), ist die Formulierung aus der Zusammenfassung von Quelle 5 selbst; die Tabelle im Artikel nennt 44,8 % für die aktuelle oder letzte Beziehung.

Jemand hat sich immer wieder zurückgezogen und ist dann doch wiedergekommen. Was hat am Ende entschieden, ob du bleibst oder gehst?

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