
Persönlichkeit und Selbstwert
Warum will ich es immer allen recht machen?
Wieder Ja gesagt und es sofort bereut? Woher People-Pleasing kommt, wie du damit aufhörst und warum ein Nein meist besser ankommt, als du fürchtest.
Tool, 1 Minute
Für die meisten Fähigkeiten gibt es kein Maßband. Also misst du dich an den Menschen um dich herum, und übers Handy gehören dazu jetzt auch die Besten der Welt. Wähl etwas, das du gut kannst, und schau, wie sich dein Platz verändert, wenn die Gruppe vom Dorf zum ganzen Land wächst.

Fang mit 100 Menschen in deinem Alter an. Das Dorf mit 150 kommt danach.
Schritt 1 von 4
Wie gut kochst du eigentlich? Ohne andere Menschen kannst du das kaum sagen. Für Kochen, Singen oder gute Witze gibt es kein Maßband. Der Psychologe Leon Festinger hat daraus 1954 eine Theorie gemacht: Fehlt ein klarer Maßstab, nehmen wir die Menschen in unserer Nähe.1 Eine große Auswertung von Studien aus über 60 Jahren ergab 2018 ein klares Bild. Dürfen Menschen selbst wählen, schauen sie meist auf jemanden, der etwas besser ist. Danach fühlen sie sich meist ein bisschen kleiner, vor allem bei dem, was sie können.2
Deshalb ändert sich im Tool oben so viel, obwohl du in jedem Schritt gleich gut bleibst. Es wächst nur die Gruppe, an der du dich misst. Die Rechnung ist absichtlich grob. Können hat mehr als eine Seite: Vielleicht läufst du langsam, aber ausdauernd. Oder du kochst drei Gerichte richtig gut und den Rest eher so lala. Außerdem tut die Rechnung so, als wären alle in deinem Alter genauso verteilt wie deine Schätzung für 100 Menschen. Und die kann in beide Richtungen danebenliegen.
Eine Zwei in Mathe fühlt sich in einer Klasse voller Einsen anders an als in einer Klasse, in der viele eine Vier haben. Der Forscher Herbert Marsh hat das genauer untersucht. Er verglich gleich gute Schülerinnen und Schüler an verschiedenen Schulen. Wer auf eine Schule ging, an der fast alle sehr gut waren, hielt die eigenen Leistungen in der Schule für schlechter. Dabei waren diese Jugendlichen genauso fähig wie die an einer gewöhnlichen Schule.3 Später fand er mit einem Kollegen dasselbe Muster in allen 26 Ländern, die sie untersuchten.4
Die 150 stammt von Robin Dunbar. Er verglich bei Affen und Menschenaffen die Größe des Gehirns mit der Größe der Gruppe. Daraus schätzte er, dass ein Mensch zu etwa 150 anderen echte Beziehungen pflegen kann.5 Die Zahl ist berühmt, steht aber auf wackligen Beinen. Drei Forscher aus Schweden haben mit neueren Daten und Methoden nachgerechnet. Heraus kam alles zwischen einer Handvoll Menschen und über 500. Eine einzige feste Zahl gibt es also nicht.6 Sieh das Dorf deshalb eher als Bild für eine kleine Welt, in der du jedes Gesicht kennst.
Im Dorf sind die Menschen um dich herum meistens ganz normal gut. Im Netz kann dir fast jeder begegnen, auch die Besten der Welt. In einem Experiment in den USA sahen Studierende das Profil von jemandem aus ihrem Umfeld, der sehr aktiv und gesund wirkte. Gleich danach dachten sie schlechter über sich selbst als Studierende, die ein weniger beeindruckendes Profil gesehen hatten. Wer öfter auf Facebook war, stieß auch öfter auf solche Vergleiche nach oben.7
Der Blick nach oben hat auch eine gute Seite. Eine Übersicht über die Forschung zeigt: Du fühlst dich der besseren Person dann oft näher und schöpfst Hoffnung, es selbst auch zu schaffen.8 Penelope Lockwood und Ziva Kunda ließen Studierende über einen Überflieger aus ihrem eigenen Fach lesen. Wirkte dieser Erfolg erreichbar, fühlten sie sich danach besser. Schien er unerreichbar, fühlten sie sich schlechter.9 Am meisten bringt dir deshalb oft jemand, den du einholen könntest.
Veröffentlicht am 23. Oktober 2026.
Über diese Quellen. Die Bevölkerungszahlen stammen von Eurostat und den Statistikämtern Großbritanniens und der USA.
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